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Screenshot godeepr.com
Leserfinanziert

Digitales Storytelling

Donnerstag, 30. Oktober 2014
Im Team von godeepr gibt es keinen einzigen Journalisten, trotzdem haben sie ein Online-Portal für digitalen Qualitätsjournalismus ins Netz gestellt. Leser finanzieren via Crowdfunding Artikel, Journalisten schreiben sie und „godeepr“ bereitet die Geschichten multimedial auf.

godeepr-Gründungsmitglied Philip Mertes schickt einen Link. Er will zeigen, was das Team aus einem Artikel machen kann. 45 Minuten Lesezeit für eine Geschichte? Ernsthaft? Die Reportage von Ingrid Hägele „Im Reich des Mammon – Senegals Geschäft mit den Bettlerkindern“ ist aber viel mehr als ein Artikel über verschleppte Kinder in einem afrikanischen Land. Fantastische Fotos, gut geschnittene Videos und ein gut recherchierter Text erzählen vom Wandel der Koranschulen, dem Islam im Senegal und den Aktivisten, die verschleppte Kinder wieder zu ihren Eltern bringen.

Der Artikel gibt zusätzlich Hintergrundinfos zum Senegal, zum Geschäftsmodell des Menschenhandels und lässt die verschiedenen Akteure zu Wort kommen. Sie nehmen den Konsumenten mit auf eine multimediale Lesereise. Und das alles für nur einen Euro.

Zu schön um wahr zu sein?

Das Geschäftsmodell des Start-ups ist einfach, aber langwierig. Autoren bewerben sich bei godeepr.com mit einem kurzen Lebenslauf, einem Artikelvorschlag, zwei Textproben und einem Motivationsschreiben. Entsprechen die Einsendungen den Kriterien von godeepr, wird gemeinsam mit dem Autor festgelegt wie viel die Recherche des Artikels kosten wird.

Dann wird ein Teaser online gestellt und die Crowd kann ab einem Euro die Recherche unterstützen. Sobald die Finanzierungsschwelle erreicht ist, wird die Geschichte geschrieben und designt. Alle Crowdfunder erhalten nach Fertigstellung des Artikels einen Link zur multimedial aufbereiteten Seite.

Zu langwierig?

Finanzierungsziel

Der Prozess vom Erstkontakt zwischen Autor und godeepr bis hin zur Veröffentlichung kann bis zu zwei Monaten dauern. Die Finanzierungsphase dauert bis zu 30 Tagen, die technische Umsetzung bis zu zwei Wochen. Zahlt es sich trotzdem aus? „Wir wollen lange Artikel, keinen schnellen Nachrichten, die nur an der Oberfläche kratzen, das können andere Medien wesentlich besser als wir“, sagt Mertes.

Die Autoren erhalten 50 Prozent des gesammelten Betrages. Die restlichen 50 Prozent braucht das godeepr-Team für die technische Umsetzung, Gebühren und Steuern. Wird der Artikel überfinanziert, geht diese Summe an den Journalisten. Momentan stehen drei Artikel zur Auswahl. Die Finanzierungsziele liegen zwischen 200 und 300 Euro.

Geht sich das finanziell für den Journalisten aus?
Zehn Seiten Text schreiben, Videos und Podcasts schneiden und die Fotos zu bearbeiten?

Gesamtpaket

Für den Leser zahlt es sich auf jeden Fall aus. Die Artikel werden auch in andere Sprachen – Englisch, Tschechisch und Französisch – übersetzt. Der Journalist kann den Artikel auch an andere Medien weiterverkaufen – allerdings ohne die multimediale Aufbereitung. Das godeepr-Team verhandelt momentan auch mit Verlagen, die die multimedialen Artikel als Gesamtpaket kaufen könnten.

„In Zukunft werden wir versuchen bis zu 800 Euro pro Artikel zu sammeln“, sagt Philip Mertes. Noch stehen sie vor der Herausforderung aller Medien: die Leser zu überzeugen, für Inhalte im Netz zu bezahlen. „Die Anbieter haben mit ihren Gratis-Angeboten dem Markt kaputt gemacht. Die momentanen Finanzierungsmöglichkeiten sind ausgereizt, der Anzeigenmarkt im Print ist eingebrochen und die Abonnentenzahlen sinken immer mehr – nur durch Onlinewerbung sind die Umsatzrückgänge nicht wett zu machen.“

Er will die Beziehung zwischen Leser und Autor neu erfinden und dabei die Möglichkeiten von Webdesign, Grafik und Internet voll ausnutzen. „Das tun viele Anbieter nicht, die meisten kommen noch aus dem Print und genauso sehen ihre Webseiten aus. Dabei kann das Netz viel mehr.“

Mindestbeitrag 1 Euro

Was unterscheidet sie von Krautreporter und De Correspondent? Beide Online-Medien fokussieren auf Hintergrundberichte, Analysen und investigativen Journalismus. Sie setzen auch auf Abosysteme: 60 Euro pro Jahr und sind dafür werbefrei. Beide Medien wurden von der Crowd unterstützt: De Correspondent sammelte 2013 von rund 15.000 Crowdfundern mehr als eine Million Euro ein und die Krautreporter 900.000 Euro.

„Wir sind kein Team aus 25 Journalisten, die sich zusammengetan haben um eine große Revolution zu starten, sondern ein Projekt, das aus der Sicht des leidenschaftlichen Lesers entstanden ist. Wir sind keine Journalisten, wir sind Grafiker, Webdesigner und Unternehmer.“ Bei godeepr entscheidet der Leser welche Geschichten er lesen will. Wenn der Artikel ausfinanziert ist und online gestellt wurde, kann man die Story immer noch kaufen. Mindestbetrag: 1 Euro.

Wir sind überzeugt, dass wir zu den erfolgreichen 1% gehören!

Das godeepr-Team hofft bis Dezember 2014 bis zu 15 Artikel von den Lesern finanzieren zu lassen, sie arbeiten daran den Leserkreis auszubauen und wollen in drei Jahren ein großes Online-Magazin sein, das multimedial aufbereiteten, unabhängigen und werbefreien Journalismus an den Leser bringt.

Dennoch: 99 Prozent aller Start-ups scheitern. „Die Statistik sagt, wir werden sehr wahrscheinlich bei Rehype – einer Online-Plattform, die vermeintlich gescheiterte Start-up-Projekte verkauft – landen, aber unser Gefühl sagt: ,nein‘. Wir brennen für die Sache! Wir wollen Journalismus im Internet attraktiver machen. Wir sind überzeugt, dass wir zu den erfolgreichen 1% gehören werden.“

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