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Francesca Castiglioni
Film

Leo "Bud" Welch

Dienstag, 2. September 2014
Der Gospel- und Bluesmusiker Leo „Bud“ Welch veröffentlichte sein erstes Album mit - 82 Jahren. Jetzt will Wolfgang Almer, der Kurator des Linzfests, einen Dokumentarfilm über Welch drehen.
Leo "Bud" Welch veröffentlichte sein erstes Album mit 81 Jahren
Francesca Castiglioni

Zwei Nägel in einem Stück Holz, eine dazwischen gespannte Gitarrenseite: Das war Leo Welchs erste Gitarre, eine sogenannte Wall Guitar. Mit zehn oder elf Jahren trug er dann vom weit entfernten Postkasten die erste Gitarre ins Haus. Sein Cousin R. C. Welch hatte sie bestellt. Er verbot Leo damit zu spielen: „Don't mess with my guitar“. Aber Leo ließ sich nicht davon abhalten. Sobald der Cousin außer Haus war, spielte er – bis er erwischt wurde. Als R. C. hörte, dass Leo viel besser spielt als er selbst, erlaubte er ihm, weiter zu üben.

Leo wuchs mit elf Geschwistern in Bruce, Mississippi auf. 80 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. Das Motto der Stadt ist: „Wo Geld auf Bäumen wächst und Hoffnung und Träume niemals sterben“. Mit den Bäumen reich geworden ist der Sägewerksbesitzer Robert Bruce. Leo blieben die Hoffnung und die Träume. Er arbeitete als Baumwollpflücker, dann 35 Jahre lang für einen Hungerlohn als Holzfäller am Ufer des Mississippi River. Von Montag bis Freitag fällte er vom Morgengrauen bis zur Dämmerung im Mississippi-Delta Bäume.

Am Wochenende tauschte er zu Hause in Bruce die Kettensäge gegen die Gitarre und spielte auf Partys, bei Picknicks und in der Kirche. Auch wenn das Gitarrenspiel in den Kirchen in den 50er-Jahren nicht gerne gesehen wurde: Gitarren in der Kirche waren Teufelswerk. Leo Welch & the Rising Souls spielten trotzdem bei Messen. In der Kirche spielten sie Gospel, außerhalb den wenig gottgefälligen Blues. Für Leo ist das kein Widerspruch: „I believe in the Lord, but the blues speaks to life, too. Blues has a feeling just like gospel; they just don’t have a book (a Bible)“, sagte Leo in einem Interview.

Erste Platte mit 82 Jahren veröffentlicht

Leo "Bud" Welch konnte sich das Busticket nach Memphis nicht leisten.
Marliese Mendel

Sein Talent muss sich irgendwann herumgesprochen haben. Eines Tages erhielt er die Einladung, bei B.B. King vorzuspielen. Doch er wollte sich die Buskarte in das nur 170 Kilometer entfernte Memphis, Tennessee nicht leisten. Er wollte nicht verantworten, seine Frau und die vier Kinder hungernd zu Hause sitzen zu lassen und auf gut Glück das letzte Geld für ein Busticket zu verschwenden.

Dass man ihn heute auf Platte hören kann, ist einem Freund der Familie, Vencie Varnado, zu verdanken, der ihn mit 82 Jahren endlich dazu brachte, eine Platte – seine erste – aufzunehmen. Vencie wusste schon lange von Leos Talent. Er lud Leo ein, bei seinem Geburtstagsfest, zu spielen, nahm davon ein Video auf und beschloss, dass Leo eine Platte aufnehmen sollte. Allerdings brauchte er zwei Jahre, um Leo davon zu überzeugen, überhaupt bei einem Label anzurufen. Im Jänner 2014 erschien schließlich beim Blues-Label Fat Possum das Album „Sabougla Voices“.

Von Bruce nach Linz

Der Kurator des Linzfests, Wolfgang Almer, startet auf der Crowdfunding-Plattform kickstarter.com eine Kampagne zur Finanzierung des Filmprojektes
Enlumen
Wolfgang Almer

Wolfgang Almer lernte Leo kennen, weil er für das Linzfest unter dem Motto „Alt ist das neue Neu“ ältere noch aktive Musiker suchte. Bei Fat Possum erfuhr er von Leo und lud ihn zum Festival nach Linz ein. Leo spielte dort drei Konzerte, außerdem eines in Verona.

Das klingt alles nach einem Film? Genau einen solchen will Almer drehen: Zwei Wochen lang wird er dafür in Bruce Leo, seine Familie und seine Weggefährten begleiten. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, weil Leos Dialekt selbst für Amerikaner schwer zu verstehen ist. „Es ist ähnlich unverständlich, wie die Sprache eines vorarlbergerischen Bergbauern für einen Wiener“, sagt Almer. Selbst ein amerikanischer Journalist brauchte Vencie als Übersetzer.

Crowdfunding

Auftritte in Österreich

Am 4. Dezember spielt Leo "Bud" Welch im Cinema Paradiso in St. Pölten,
am 5. Dezember in Kirchdorf an der Krems und am 6. Dezember in Weyr.

Um die Kosten des Films zu decken, startet Almer ab 2. September 2014 auf kickstarter.com eine Crowdfunding-Kampagne. Er möchte in den nächsten drei Wochen 15.000 US-Dollar einsammeln. Als Goodies gibt es handsignierte CDs, DVDs, Erwähnungen im Abspann, digitalen Zugang zu allen Filmsongs, ein Treffen mit Leo Welch und der Filmcrew und fünf der „heiligen“ Gitarrenseiten: „Leo passt sehr gut auf seine Gitarrenseiten auf. Er hat im letzten Jahr nur einen Gitarrenseitensatz gebraucht und die fünf Seiten gibt es als Super-Goodie,“ sagt Almer.

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