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Aleksandra Pawloff, Projekt Bank für Gemeinwohl
Gemeinwohlbank

„Good Bank statt Bad Bank“

Sonntag, 25. Januar 2015
Gibt es eine Bank, die nachhaltig wirtschaftende Betriebe mit niedrigen Kreditzinsen belohnt? Die EPUs Kredite gibt? Die keine Spekulationsgeschäfte macht? Nein, noch nicht. Aber bald, wenn es nach Christian Felber und dem Projekt „Bank für Gemeinwohl“ geht. Ende 2014 wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht: Die Eintragung ins Firmenbuch.

Die Freude unter den Mitarbeitern des Projektes war groß. Kurz vor Weihnachten 2014 erhielten sie gute Nachrichten. Die Genossenschaft „Bank für Gemeinwohl - Eigentümer/-innen und Verwaltungsgenossenschaft“ ist im Firmenbuch eingetragen. Ein weiterer Meilenstein in der vierjährigen Geschichte der Gründung einer „Good Bank“: Einer Bank, die keinen Allein-Eigentümer hat, die sich auf Kerngeschäfte (Giro- und Sparkonten, Kreditvergabe) konzentriert, nicht spekuliert, sondern in realwirtschaftliche Projekte investiert, wo Kunden freiwillig auf Sparzinsen verzichten aber dafür mitbestimmen können, welche Projekte damit Kredite erhalten, die die Kreditnehmer ihren Bankkunden präsentieren und eine Bank, in der Genossenschaftsmitglieder die Gebahrungen mitbestimmen können.

Ähnliche Bankmodelle gibt es in Europa schon: Die gläserne Ethikbank in Deutschland investiert Geld nur in nachhaltig agierende Unternehmen, legt ihre Geschäfte bis ins Detail offen. Die GLS-Bank investiert ausschließlich in ökologische und soziale Projekte, finanziert keine Unternehmen die mit Atomenergie, Rüstung, Tierversuchen, etc. zu tun haben. Die Bankkunden entscheiden, in welchen Branchen ihre Sparguthaben veranlagt werden. Dreimal jährlich erscheint das Magazin„Bankenspiegel“, in denen die Kreditnehmer präsentiert werden.

Infobox: Ideengeber war Christian Felber, ATTAC-Mitbegründer und Entwickler der Gemeinwohlökonomie. Sein Wirtschaftskonzept des kooperativen statt konkurrenzorientierten Wirtschaftens polarisiert. Die einen glauben, ein tragfähiges Wirtschaftssystem gefunden zu haben, die anderen, dass es ein „utopischer Rohrkrepierer“ sei. Die Diskussion, ob Gemeinwohlökonomie die Rückkehr in die „gescheiterte Planwirtschaft“ oder die Zukunft des gemeinschaftlichen Wirtschaftens ist, lässt sich anhand des Dossiers der WKÖ und der Replik des Vereins zur Förderung der Gemeinwohlökonomie nachlesen und hier in einer Kurzversion.

In Österreich planen seit vier Jahren rund 80 ehrenamtliche Mitarbeiter, davon 30 Bankenexperten, die erste Gemeinwohlbank. Seit August 2014 ist der ehemalige Vorstand der Sparkasse der Stadt Kitzbühel, Robert Moser, gemeinsam mit NGO-Spezialistin Christine Tschütscher verantwortlich für die Gründung der Gemeinwohlbank.

Nach der nun erfolgten Eintragung der Genossenschaft in das Firmenbuch ist der nächste große Schritt, das Kapital zur Bankgründung einzusammeln. Insgesamt werden 15 Millionen Euro benötigt. Einerseits um die gesetzlich erforderliche Eigenkapitalausstattung zu erfüllen, andererseits erwarten die Neo-Banker in den ersten fünf Jahren keine Gewinne. Um diesen Zeitraum sowie den Prozess der Lizensierung der Bank durch die FMA zu überbrücken, wurden nach dem kaufmännischen Vorsichtsprinzip ensprechende Reserven berücksichtigt.

Es besteht bereits ein Pool von Unterstützern: Im Gründungs- und Förderverein sind 600 Mitglieder eingetragen, rund 7000 sind in der Community. Gebe jeder rund 2.000 Euro, wäre die Genossenschaft ausfinanziert. Nachdem die Bank jedoch ein Produkt der Zivilgesellschaft werden soll, ist die Mindesteinlage 200 und die Höchsteinlage 100.000 Euro. Die Vorstände rechnen mit ca. 40.000 Genossenschaftern.

Ohne Hierarchie

Zu den Personen

Christine Tschütscher hat Bankerfahrung, arbeitete 5 Jahre bei Start-up und war die letzten 8 Jahre Geschäftsführerin einer NGO mit 100 Mitarbeitern. Die Idee, eine Gemeinwohl Bank aus der Zivilgesellschaft heraus zu gründen, fasziniert sie an diesem Projekt.
Robert Moser war Vorstand in mehreren leitenden Funktionen in Banken, zuletzt 22 Jahre als Vorstand der Sparkasse Kitzbühel. Sein Wunsch als Psychotherapeut zu arbeiten hat er für das Projekt, eine ethische Bank zu schaffen, vorerst hintan gestellt.

dieZeitschrift hat die beiden Vorstände Robert Moser und Christine Tschütscher getroffen.

dieZeitschrift: Wer arbeitet bei dem Projekt mit?
Robert Moser: Die Menschen kommen aus allen Altersgruppen, zwischen 20 und 70 Jahren, sie kommen aus verschiedenen Bereichen: Vom Hochschulprofessor über Organisationsberater bis hin zu Menschen in Kreativberufen. Wir haben 600 Vereinsmitglieder, davon sind 80 projektaktiv. Es ist erstaunlich, aber es sind immer die richtigen da, die das Meinungsspektrum der Vereinsmitglieder vertreten. Wir können uns aufeinander verlassen und darauf, dass alle Strömungen berücksichtigt werden. Es steht der starke Wunsch dahinter, die Bank zu realisieren. Wir verstehen uns als zivilgesellschaftliches Projekt, das die Mitte der Gesellschaft präsentiert und in keinem speziellen politischen Spektrum angesiedelt ist. Es geht darum, eine konkrete Idee umzusetzen und nicht darum, politische Statements abzugeben.

dieZeitschrift.at: Wie funktioniert die Projektarbeit?
Christine Tschütscher: Ein bedeutender Aspekt ist das Funktionieren der Selbstorganisation. Wir arbeiten derzeit in vier Arbeitskreisen und über 20 kleineren Arbeitsteams. Wenn sich 80 Projektaktive treffen, kann und soll das nicht zentral gesteuert werden. Erzählt man jemanden, dass wir ohne Hierarchie, ohne die üblichen Gängelungen, ohne das Command-Controll-Verfahren, agieren, gibt man uns keine Chance. Aber es funktioniert.

40.000 Genossenschafter

dieZeitschrift.at: Was unterscheidet die Gemeinwohlbank von herkömmlichen Banken?
Robert Moser: Es ist eine zivilgesellschaftliche Gründung, die Bank hat keinen Allein-Eigentümer. Jedes Genossenschaftsmitglied hat ein Stimmrecht (Anm. Kopfstimmrecht), egal wie hoch sein Anteil ist. Es gibt kein Anteilsstimmrecht.

Die Bank wird nicht von Großkapitalgebern finanziert, die Rendite- oder Geschäftsziele verfolgen müssen, sondern die Bank gehört allen, die mitmachen wollen. Gewinne der Gemeinwohlbank werden nicht an die Eigentümer, sondern in ein Sondervermögen ausgeschüttet, um Gemeinwohlprojekte zu unterstützen.

Vorstände werden nicht von Freunden im Aufsichtsrat gewählt, sondern die Genossenschaftsmitglieder wählen den Vorstand und den Aufsichtsrat.

dieZeitschrift.at: Sie planen Jahreshauptversammlungen mit 40.000 Menschen?
Christine Tschütscher (lacht): Wir würden uns freuen, wenn 2000 Mitglieder zur Versammlung kämen. Momentan entwickeln wir ein Onlineabstimmungssystem.

Zinsenverzicht

Gemeinwohlbank
Marliese Mendel
Arbeitskreise

dieZeitschrift.at: Die Gemeinwohlbank wird sich auf die Kerngeschäfte wie Giro-, Sparkonten und Kreditvergabe konzentrieren. Welche Unternehmen erhalten Finanzierungen?
Robert Moser: Die Bank finanziert nur gemeinwohlorientierte, soziale, ökologische Projekte. Die verrechneten Zinsen sind abhängig davon, wie gemeinwohlorientiert das Projekt ist. Je nachhaltiger die Unternehmung ist, umso niedriger sind die Zinsen. Selbstverständlich werden alle Kreditantragsteller den üblichen Bonitätsprüfungen unterzogen. Die Gemeinwohlprüfung ist ein weiteres Kriterium.

dieZeitschrift.at: Wie finanziert sich die günstige Kreditvergabe?
Christine Tschütscher: Die Sparer werden zu einem freiwilligen Zinsverzicht eingeladen. Je mehr Sparer auf Zinsen verzichten, umso günstigere Kredite können vergeben werden. Der Sparer weiß, dass mit seinem Geld etwas Sinnvolles passiert – das nicht ein undurchsichtiger Fond finanziert wird, sondern etwas Gescheites. Jeder kann seine Zinsen einer Branche zuteilen, etwa: Alternativenergie, Landwirtschaft, Ernährung und Bildung und Soziales. Es können sich auch regional Gruppen zusammenschließen, ihr Geld bei der Gemeinwohlbank anlegen, auf die Zinsen verzichten, aber bestimmen, dass in ein regionales, gemeinwohlorientiertes Projekt investiert werden muss. Der Sparer ist nicht direkter Kreditgeber, seine Einlagen sind sicher. Alle jenen Sparer, die nicht auf ihre Zinsen verzichten wollen, werden diese zu banküblichen Konditionen ausgezahlt bekommen.

Gewinn steht nicht im Mittelpunkt

dieZeitschrift.at: Wird es Filialen geben?
Robert Moser: Eher nicht, die klassischen Bankfilialen sind zu teuer. Der Hauptstandpunkt bleibt in Wien. Die Geschäfte werden via Onlinebanking durchgeführt. In der zweiten Ausbaustufe wird es jedoch regionale Informationsbüro geben.

dieZeitschrift.at: Es fehlt noch die Banklizenz von der Finanzmarktaufsicht.
Robert Moser: Wir haben von der FMA eine Zusage, dass, sobald sechs Millionen Euro gesammelt worden sind, der Lizenzprozess beginnen kann. Schließlich ist es der politische Wille und im volkwirtschaftlichen Interesse, möglichst stabile Banken zu bauen. Die FMA prüft uns und erteilt eine Genehmigung oder lehnt sie ab. Sollte letzteres passieren, wird das Geld an die Unterstützer zurücküberwiesen. Aber davon gehen wir nicht aus. Aus Gesprächen wissen wir, dass es kompliziert, aber machbar ist.

dieZeitschrift.at: Wer sollte sich nicht an der Genossenschaft beteiligen?
Christine Tschütscher: Zinsjäger oder jene, die wegen Lockkonditionen Banken auswählen. Wir können keine Gratis-Giro-Konten anbieten.

dieZeitschrift.at: Sie haben in den letzten Monaten eine große Informationskampagne gefahren. Was waren die Ängste der Besucher?
Robert Moser: Die Kernangst kreiste um die Sicherheit der Spareinlagen. Aber auch für unsere Bank wird die Einlagensicherung gelten.

dieZeitschrift.at: Wann wird die Bank eröffnen?
Christine Tschütscher: Anfangs glaubten wir, dass das schneller gehen würde. Nun peilen wir Ende 2016 an. Eine Bank, bei der gilt: Gewinn ist nicht der Mittelpunkt, sondern Mittel. Punkt.

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