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Privat
Skandal

Das Schild von Deutschlandsberg

Montag, 27. Januar 2014
In Deutschlandsberg hing ein Schild mit dem nationalsozialistischen Spruch: „Arbeit macht frei“ am Haus von Sven S..(Es gilt die Unschuldsvermutung) Das Nachrichtenmagazin [NEWS](http://www.news.at/a/arbeit-macht-frei-schild-oevp-Skjellet) berichtete darüber. dieZeitschrift sprach mit Paul H. (Name von der Redaktion geändert). Er kannte das Schild seit seiner Kindheit und informierte 2010 die Behörden darüber. Die Polizei ermittelte, doch die Staatsanwaltschaft stellte die Verfahren ein.

Auf einigen der rund 1000 NS-Konzentrationslagern, in denen mehr als sechs Millionen Menschen ermordet wurden, prangte der Spruch: „Arbeit macht frei“. Der Historiker Winfried Garscha (DÖW) sagt: „Diese Schriftzüge wurden in Konzentrationslagern als leere Versprechungen angebracht: Wenn ihr fleißig arbeitet, dann kommt ihr vielleicht wieder raus.“ Das an einem Haus in Deutschlandsberg ein Schild mit der gleichen Aufschrift hängt, bezeichnet Garscha als „eine unverschämte Dummheit“.

Auch ein langjähriger Bekannte von Norbert S. verstand nie, warum das Schild über der Garage hing. „Ich fragte ihn danach und er sagte: 'Ich bin nur mit 10 Fingern von Ostberlin nach Deutschlandsberg gekommen, ich hatte kein Geld und nur Schulden. Mit meinen 10 Fingern habe ich mein Geld verdient und das bedeutet für mich 'Arbeit macht frei'.“ Der Bekannte sagt auch, dass die S. wegen des Schildes „Schwierigkeiten“ hatten. (Es gilt die Unschuldsvermutung) Die Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg hatte agiert und die Polizei leitete Ermittlungen ein. Aber die Tafel blieb über der Garage hängen. Ganz in der Nähe sind heute noch die Volks- und Hauptschule der Stadt. Paul H. ging dort zur Schule.

„Meine Mutter zeigte mir das Schild, als ich noch ein Kind war. Ich wusste damals nicht, was es bedeutet“, sagt Paul H. (30), „ich sprach später mit meinen Schulkollegen darüber und einige fanden es, wie ich, bedenklich. Damals wusste wir nicht, dass es verboten sein könnte, so ein Schild aufzuhängen.“ Paul H. zog aus Deutschlandsberg weg. Im Oktober 2011 war er auf Besuch und sah, dass das Schild immer noch am Haus hing. Paul H. fotografierte es und schickte ein E- Mail an die Bezirkshauptmannschaft und die Stadtgemeinde mit der Bitte, der Sache nachzugehen, weil „besagter Spruch mit rechtsextremen Gedankengut assoziiert wird und wurde und immer wieder in antisemitischen Kreisen verwendet wird“. Er erhielt weder von der Bezirkshauptmannschaft noch von der Stadtgemeinde eine Antwort. Dafür lud ihn Ende November 2011 die Polizei als Zeugen vor. „Ich sollte im Ermittlungsverfahren gegen Norbert S. (es gilt die Unschuldsvermutung) aussagen," sagt Paul H.. Die Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg hatte ein Einvernahmeersuchen an die Polizei gestellt. (Die Dokumente liegen der Redaktion vor)

Ermittlungen eingestellt

Ein Jahr später sah Paul H., dass die Tafel immer noch am Haus hing. Er fotografierte sie abermals erstattete erneut beim Polizeikommando Deutschlandsberg, der Bezirkshauptmannschaft, der Stadtgemeinde und der NS-Meldestelle BVT Meldung. Er wunderte sich, dass die Tafel nach einem Jahr noch immer nicht entfernt worden war. Im Mail an die Behörden schrieb er über seine Zeugenaussage im Jahr davor: „Der vernehmende Beamte versicherte mir damals mündlich, soweit ich ihn richtig verstanden hatte, dass der Besitzer der betroffenen Liegenschaft bereits zur Entfernung (…) der erwähnten Tafel angehalten wurde (…).“

Am Tag darauf erhielt Paul ein Antwortschreiben von der Polizeiinspektion Deutschlandsberg. Es wurde ihm mitgeteilt, dass „gegen Norbert S. nach doch sehr umfangreichen Erhebungen am 24.12.2011 die Staatsanwaltschaft in Graz informiert wurde.“ Doch die Staatsanwaltschaft Graz teilte am 10. Jänner 2012 mit, dass das Verfahrens eingestellt wurde.
„Die Einstellung erfolgte gem. § 190 Z 1 StPO, weil die dem Ermittlungsverfahren zu Grunde liegende Tat nicht mit gerichtlicher Strafe bedroht ist oder sonst die weitere Verfolgung aus rechtlichen Gründen unzulässig wäre: (Beendigung wegen Todes.)“

Norbert S. war in der Zwischenzeit verstorben. Auch das Verfahren gegen Sven S. wurde „gemäß § 190 Z 2 StPO: weil kein tatsächlicher Grund zur weiteren Verfolgung besteht“, eingestellt.

Das Schild hing immer noch am Haus. 2014 erschien im Magazin NEWS der Artikel „Die Schande von Deutschlandsberg“, darin wird Sven S. zitiert: „Mein Vater hat sein Leben lang gearbeitet, es sei also in dem Sinn zu verstehen, der wörtlich auf der Tafel steht.“ Das Mauthausen-Komitee bezeichnete es als „Verhöhnung aller KZ-Opfer“. Der ORF berichtete, „dass der Kärntner ÖVP-Chef Gabriel Obernosterer sagte: 'Das Schild wird sofort entfernt'. Dass die Tafel hängen geblieben sei, sei wohl auf Unwissenheit zurückzuführen. S. stehe nicht im Verdacht, einschlägiges Gedankengut zu vertreten, so Obernosterer."

Wie lange das Schild dort hing, war nicht mehr zu eruieren. Sicher ist, dass es schon in den 90er-Jahren über der Garage des Hauses hing. dieZeitschrift fragte bei Stadtgemeinde Deutschlandsbergs nach, ob die Tafel entfernt worden sei. Kurz darauf erreichte dieZeitschrift ein Foto: Das Schild ist endlich weg! Ein „Geschenk“ zum Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner 2014 – aber ein sehr spätes.

(Die Dokumente liegen der Redaktion vor)

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