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Silke Ruprechtsberger
Buchhandlung

Buchladen unterm Zeichen der Vollkommenheit

Montag, 15. Juni 2015
Dieter Würch führt die Buchhandlung 777 hinter dem Wiener Stephansdom. In den Regalen stehen Bücher über Mystik Psychologie, Astrologie, Schamanismus, Runen und Co. Im Keller ruht ein Pavian.

Bei Boeing steht die „triple seven“ für ein zweistrahliges Großraum-Langstreckenflugzeug, in der kabbalistischen Zahlenmystik des Judentums drückt die „777“ hingegen so etwas wie göttliche Vollkommenheit aus. „Die Sieben ist heilig, die Sieben Sieben Sieben ist oberheilig“, sagt Dieter Würch, Betreiber des Buchladens 777 in der Wiener Domgasse 8, und sein Grinsen verrät, dass er das selbst nicht so rasend ernst nimmt.

Wissen von vorgestern und übermorgen

Den Namen hat er 1998 mitsamt dem Laden von seinem Freund und Vorbesitzer übernommen, ebenso das Firmenschild mit der Aufschrift „für das Wissen von vorgestern und übermorgen“. Mit geliehenem Geld und viel Elan erweiterte der gebürtige Deutsche das Sortiment der damals allein auf Astrologie spezialisierten Buchhandlung und verpasste ihr ein neues Aussehen.

Der Warnung der Wirtschaftskammer – „ein Buchgeschäft auf 58 m2 rechnet sich nicht“ – will er gar nicht widersprechen. Ignoriert hat er sie trotzdem. Hart sei der Buchhandel, und seit 2004 „wirklich hart“, sagt Würch ohne eine Spur von Selbstmitleid: „Im Onlinehandel machen sie Bücherdumping, zahlen für gute Rankings bei den Suchmaschinen. Da kann unsereiner unmöglich mithalten.“

Doch auch, wenn es meist gerade mal zum Leben reicht – Würch, so scheint es jedenfalls, liebt, was er tut. Seit dem neuerlichen Relaunch vor zwei Jahren verkauft er neben Büchern auch Wein, Schnaps, Olivenöl und Käse. Am Mittwochabend sitzen Freunde des Ladens oft bis spät zum Essen und zum Diskutieren um den großen Tisch in der Ecke des Geschäfts. Im neu gestalteten, mystisch beleuchteten Mini-Keller gibt´s nun Kunst: Derzeit liegt dort, eingelassen in eine Bodenplatte, der kolorierte Gipsabdruck eines Pavianskeletts – ein Werk von Stefan Ugowitzer.

Geschichten zur Weltverbesserung

Ob Astrologen oder Psychologen, Soziologen oder Kulturanthropologen, Historiker oder Politiker - für Würch erzählen sie alle „Geschichten“: Inhalte gäbe es viele, aber wie diese Inhalte erzählt würden, mache die Sache spannend, ist der Buchhändler überzeugt: „Gut erzählte Geschichten machen die Welt besser“.

Geschichten erzählen, das kann er auch selber, und in Zeiten der virtuellen Konkurrenz ist das, wie er sagt, auch seine „einzige Chance“. In die Bücher, die er im Laden hat, hat er zumindest einmal hineingeschaut, viele davon auch gelesen. Er versteht es, klug und interessant zu plaudern - über Bücher, seine Ansichten und sein Leben. Da erfährt man beispielsweise, dass Ernst Kreuder („Tunnel zu vermieten“) zu seinem Lieblingsautoren zählt und hält auch schon einen Text zum Probelesen in der Hand. Oder dass Würchs Wunsch, in Wien zu leben, in den 60er Jahren in Stuttgart entstand: „Damals trug Qualtinger dort die ,Letzten Tage der Menschheit´ vor.“

Die von Menschen gemachte Welt gehe ihrer Zerstörung entgegen, sagt der Buchhändler dann und hat für einen kurzen Moment jedes Augenzwinkern verloren: „Deshalb braucht es auch Menschen, die sich hinstellen und sagen: ,So geht´s nicht weiter.´“

Buchhandlung 777, Domgasse 8, 1010 Wien, www.buchhandlung777.at

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