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Alexandra Gruber
Stadtspaziergang

Als Reisender in der Heimatstadt

Dienstag, 20. Mai 2014
Die Kunsthistorikerin Brigitta Höpler lehrt Schreiblustigen, wie sie von ihrer eigenen Stadt zum kreativen Fabulieren animiert werden können.
Brigitta Höpler, Stadtschreiberin
Alexandra Gruber

Der Wettergott liebt Brigitta Höpler. Sechsmal hat die Wiener Kunsthistorikerin bis jetzt das von ihr konzipierte Stadtschreiben organisiert, und jedes Mal schien die Sonne. „Einmal bin ich im Regen zum Treffpunkt hingeradelt und habe mich gefragt, warum ich mir das jetzt antue. Aber die Teilnehmerinnen sind trotzdem gekommen, sie waren in Regenmäntel gehüllt und hochmotiviert. Und genau in den nächsten eineinhalb Stunden war schönes Wetter. Dann fing es wieder an zu schütten.“

Heute treffen sich die Stadtschreiber auf dem unscheinbaren Zimmermannplatz in Wien-Alsergrund. Während Brigitte Höpler Klemmbretter, Schreibpapier und Stifte bereit legt, erklärt sie ihr Konzept: „Für mich ist die Stadt ein Speicher, ein Gewebe von Texten. Deshalb verwende ich auch immer das Wortspiel Worte, Orte.“ Denn Orte haben immer eine Geschichte, und die können zu Worten werden, und die Worte wiederum zu Orten. „In fremden Städten verhalte ich mich ganz anders als zuhause. Ich gehe langsamer, bin aufmerksamer, nehme viel mehr wahr und entdecke wahnsinnig viel für mich.“ Deshalb möchte sie auch in Wien wie eine Reisende und nicht wie eine Einheimische durch die Gassen wandern. Und dieses Gefühl will die mehrfache Buchautorin auch anderen vermitteln.

Auf unscheinbaren Plätzen

Brigitta Höpler, Stadtschreiberin
Alexandra Gruber
Brigitta Höpler

„Ich wurde gefragt, ob ich das Stadtschreiben auch einmal im Vierten Bezirk abhalten könnte. Dort lebe ich, und daher war die Gegend für mich nichts besonderes. Doch plötzlich nahm ich mein Grätzl ganz anders wahr als auf meinen täglichen Wegen.“ Die Idee für's Stadtschreiben hat ihren Ursprung wohl in ihren schönen Kindheitserinnerungen, als sie an der Hand ihres Vaters die Grenzen von Wieden abgelaufen ist. „Einmal hat er mir den Fotoapparat in die Hand gedrückt und gesagt, ich darf fotografieren was ich will und so oft ich will. Das war toll und in Zeiten der analogen Fotografie alles andere als selbstverständlich,“ sagt die 48-jährige.

Die Treffen der Stadtschreiber sind immer an unscheinbaren Plätzen, Ansichtskartenmotive und Touristenschwerpunkte werden bei der Auswahl bewusst ignoriert. Schreiben wäre nur eine mögliche Ausdrucksform, um die Stadt zu erleben, aber es sei halt ihre. Im nicht kommerziellen Raum Platz nehmen und dort bewusst schauen, wahrnehmen, darum gehe es.

Sinne schärfen

Stadtschreiber
Alexandra Gruber

An diesem späten Freitag Nachmittag im Mai erscheinen rund zehn Teilnehmer. Höpler ermutigt sie, beim Stadtflanieren ihre Sinne zu schärfen. Auf Farben, Worte, Gerüche oder Geräusche zu achten. Zu notieren, was durch den Kopf geht. Reale oder fiktive Postkarten zu schreiben. Sie gibt viele Schreibimpulse und schickt dann alle mit Papier, Stiften und Anregungen bewaffnet auf eine Reise durch das Grätzl.

Im Park des Alten AKH sammeln Kinder Tannenzapfen ein, auf einer Bank sitzt ein Teenager-Pärchen. Sie weint. Er hat offensichtlich ein schlechtes Gewissen. Auf dem steinernen Kopf von Dr. Billroth hat sich eine Taube niedergelassen. Normalerweise geht man an solchen Szenen achtlos vorbei, heute sticht alles ins Auge. Das weiße Blatt füllt sich wie von selber.

Im nicht sehr bekannten, aber erstaunlich schönen Viktor-Frankl-Park in der Mariannengasse treffen sich die Stadtschreiber eineinhalb Stunden später wieder. Sie sitzen auf Bänken und Steinen, schwarze Tinte fließt da wie dort, jeder ist in seinen selbst fabrizierten Text vertieft. Die Sonne scheint nach einer verregneten Woche noch immer, der Wettergott meint es heute wieder gut mit Höpler.

Im Juni wird rund um den Hundsturm geschrieben, im Juli am Donaukanal, im September in der Nähe des ehemaligen Turnertempels, und im Oktober in der Straßenbahnlinie 5.

(W)ORTE – Stadtschreiben: Bekanntgabe von Terminen und Orten:

www.brigittahoepler.at/raume/schreibraume/stadtschreiben
www.facebook.com/pages/Stadtschreiben

Voranmeldung erwünscht. Preis: € 30,-

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