Eva Jung
Rezension

Alltagstourist

Montag, 17. Februar 2014
Eva Jung erfand ein Wort: Alltagstourist. Sie glaubt, es war längst überfällig, schließlich gehe das Thema jeden etwas an. Die Grafikerin und Autorin setzt sich nicht nur auf Reisen sondern auch zu Haus die Touristenbrille auf und entdeckt das scheinbar Offensichtliche neu. Jetzt hat sie ein Inspirationsbuch darüber geschrieben. Eine Anleitung gegen Langeweile im Alltag und für mehr Abenteuer auf Reisen.
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Eva Jung

Für die Gemüseverkäuferin in Indien ist es selbstverständlich, dass sie Bettelnuss kaut und den blutroten Saft auf die Straße spukt, für Ägypter normal, an der Busstation bei Sonnenuntergang den Gebetsteppich auszurollen, und für Indonesier alltäglich, ihre fünfköpfige Familie am Mofa zu transportieren. All das erscheint dem Reisenden seltsam, neu und ungewöhnlich. Aber für die Inderin, den Ägypter und den Indonesier ist das der selbstverständliche Alltag. Als Tourist bereisen wir auch den Alltag der Menschen in nahen und fernen Ländern.

Zu Hause sind Touristen oft ein Hindernis. Sie stehen in Gruppen mitten auf der Straße und betrachten eine Sehenswürdigkeit. Sie sind eine menschliche Blockade, die Einheimischen den Weg zu alltäglichen Tätigkeiten und selbstverständlichen Orten versperrt. Die Besucher in unserer Stadt bereisen unabsichtlich auch unseren Alltag. Über den Alltag des Reisens, die alltäglichen Reisen in der Heimatstadt und die Reisen in den Alltag von anderen Menschen hat Eva Jung das Buch „Alltagstourist – An unscheinbaren Orten dem tieferen Sinn auf der Spur“ geschrieben.

Entdeckerfernglas

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Eva Jung

Die Grafikerin und Autorin Eva Jung hat nicht nur fast alle Kontinente bereist, sie ist auch in ihrer Heimatstadt „Alltagstouristin“. Sie hat das Wort erfunden. „Es war längst überfällig, denn das Thema geht jeden an“ sagt sie. Sie setzt sich die Touristenbrille auf und nimmt das Entdeckerfernglas, wenn sie morgens in die Arbeit fährt. Denn auch der Alltag ist voller Wunder, Sehenswürdigkeiten und Ungewöhnlichem, manchmal auch Fragwürdigem. Vor kurzem fand sie einen handgeschriebenen Zettel im Schnee: einen Beschwerdebrief an Gott. Man muss also nicht wegreisen um Tourist zu sein. Gleichzeitig ist jede Reise auch ein Abstecher in den selbstverständlichen Überlebens- und Kulturalltag anderer Menschen wie dem Typen, der Gürtel am Strand verkauft, oder dass in Indien niemand auf die Idee käme, dass es keinen Gott gibt. So ist es ein Inspirationsbuch: eine Kombination aus ungewöhnlichen Fotos und Texten, die die Leser auf philosophische Gedankenspaziergänge mitnimmt.

UFO-Klebstoff

Factbox

„Alltagstourist. An unscheinbaren Orten dem tieferen Sinn auf der Spur.“
176 Seiten durchgehend 4-farbig, fadengeheftet
Auflage: 1965 nummerierte (!) Exemplare
Extra: Ein Lesezeichen (der besonderen Art)
Verkaufspreis: 33,00 Euro
ISBN: 978-3-00-043707-6
Erhältlich bei CB

Durch die Beobachtung des eigenen und fremden Alltags begann Jung auch die Must-Sehenswürdigkeiten zu hinterfragen. Sie sammelt alltägliche Sehenswürdigkeiten und Merkwürdigkeiten wie kryptische Verkehrsschilder und handgemachte Karusselle. Von ihren Reisen trägt sie nur Alltagsgegenstände mit, hellblaue Limonaden und UFO-Klebstoff mit nach Hause. Von ihrer letzten Wienreise brachte sie Schuhputztücher des Hotels anstatt einer Mozartfigur im Rucksack mit. Das liegt jetzt jedem der Bücher als Lesezeichen bei.

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