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Marliese Mendel
Ostbahn-Kurti

Herr Horak auf Schikurs

Donnerstag, 13. Februar 2014
Wenn man mit dem „Sexualberater“ und langjährigem Ostbahn-Kurti und EAV-Bassisten Karl Horak über Ostbahn-Kurti-Erfinder Günter Brödl reden will, bietet sich das SMart-Cafe an; obwohl die Damen im Lack-Outfit und hohen Schuhen die Gesprächspartner schon ablenken können.

Den Spitznamen „Sexualberater“ bekam Horak von Ostbahn-Kurti-Erfinder und Songtexter Günter Brödl, da er immer zur Stelle war, wenn jemand Herzensprobleme hatte. „Das ist eine Brödelsche Übermystifizierung“, wiegelt Horak ab, „ich kann halt gut zuhören und die Leute kamen mit ihren Beziehungsproblemen oft zu mir. Da ist das halt hängengeblieben.“

Doch der Sexualberater hat nicht nur gebrochene Herzen geheilt: einmal hat er den Chef selbst während eines Konzerts vor dem hinterhältigen Angriff durch einen Beleuchtungskörper errettet, indem er diesen geistesgegenwärtig mit seinem Unterarm abwehrte. Während einige Fans behaupten, Horak habe dem Ostbahn-Kurti das Leben gerettet, wiegelt er selbst ab: das hätte maximal eine grausliche Platzwunde gegeben.

Anders war dies ein paar Jahre später beim legendären Ostbahn-XI-Konzert (1991), wo Ostbahn-Kurti bekanntschaft mit Horaks Bassgitarre machte:

„Es war a blede Gschicht“, sagt Horak, „ich habe einen Augenfehler und kann nicht nach links schauen. Willi hat es immer sehr geschätzt, pünktlichst im letzten Moment das Mikro zu ergreifen. Ich dachte er würde vor mir vorbei laufen und um ihn zu schützen drehte ich mich mit dem Bass weg. Genau in dem Moment stand er schon vor mir, ist voll in meine Drehung hineingelaufen und kollidierte mit der Bassgitarre. Mir ist das Herz stehen geblieben. Was wäre passiert wenn ich ihm vor 18.000 Leuten so eine gegeben hätte, das er nicht mehr aufsteht? Er war eine Minute lang ganz damisch.“ Ein doppelter Cognak hat Ostbahn und das Konzert letztendlich gerettet.

Horak spielte von 1985 bis 1995 in Ostbahn-Kurtis „Chefpartie“; diese Zeit hat ihn nachhaltig geprägt: „Für mich war die Chefpartie wie ein Schikurs ohne Aufsicht. Die Band war wie eine große, sehr liebe Familie. Ich wusste genau, wie der Schaas vom Gitarristen riecht und kannte ihn besser als meine Freundin. Dann kam der Erfolg, das Geld und gescheiterte Beziehungen, in der Band wie privat.

Das letzte große Beziehungsaus bezüglich der Band fand letztes Jahr statt: Horak hatte an einigen Jubiläums-Reunions mitgewirkt, zuletzt 2011 beim mehrfach ausverkauften Konzert im Prater. Im Rahmen der Planung der 2014er-Auflage hatte „Ostbahn-Kurti“ Willi Resetarits ihm jedoch mitgeteilt, dass seine Teilnahme nicht mehr gefragt sei. „

Willi Resetartis lud mich nicht sehr charmant vom geplanten Konzert aus“, sagt Horak, „Ich bin sehr enttäuscht, dass er nicht persönlich mit mir sprach, sondern ein E-Mail schrieb.“ Horak habe beim Auftritt 2011 „zu viel und zu laut“ gespielt, was bei Resetarits wegen seines Hörschadens zu rasenden Kopfschmerzen führe, und sei der Bitte, leiser zu spielen, nicht nachgekommen. „Mich empörte vor allem der Vorwurf, dass ich absichtlich zu laut gespielt hätte. Als ob ich ihm absichtlich etwas Schlechtes hätte tun wollen. Es tut mir sehr leid und ich finde es auch sehr schade, den ich habe mich auf das Konzert sehr gefreut“, sagt Horak.

Er ist zutiefst enttäuscht und vermutet, dass die Absage einen anderen Grund hätte. „Jedenfalls will er nicht als Schublade dienen für die Dinge, die nicht gut gelaufen sind.

Sprechende Kaffeemaschine

Karl Horak, Leo Bei, Bass, Ostbahn-Kurti, EAV
Marliese Mendel

Dabei hatte alles so schön begonnen. Nachdem Brödls Kunstfigur „Ostbahn-Kurti“ zu einem realweltlichen Rockstar geworden war und die erste Platte (Ostbahn-Kurti und die Chefpartie) fast fertig eingespielt war, fehlte für „Du bist und bleibst ein Weh“ noch der Bass; Horak spielte die Nummer ein und blieb gleich für 10 Jahre der Bassist der Band, absolvierte mit ihr eine Unmenge von Auftritten und produzierte 6 Chefpartie-Alben, von denen jedes vergoldet wurde. „Das Absurde ist, dass vom Projekt ursprünglich niemand leben sollte, es hätte eine Funband sein sollen. Ganz wenige Kollegen hätten sich gegenseitig ausgesucht, um miteinander zu spielen,“ erzählt er. Es begann eine abenteuerliche Zeit voller Rock‘n‘Roll und Legendenbildung: Wenn eine Geschichte gut erfunden ist und oft genug erzählt wird, ist sie irgendwann wahr.

Unter dieser Prämisse erzählt Horak von sprechenden Kaffeemaschinen, von orangefarbenen Ufos und dem größten Spritzer Wiens.

Die sprechende Kaffeemaschine:
Der Standort des alten Studios der Schmetterlinge war nicht optimal: es lag nur 400 Meter von einem Radiosender entfernt. „Eines Nachts hörte ich Stimmen, obwohl ich ganz alleine im Studio war,“ erzählt Horak, „die Wärmeplatten der Kaffeemaschine fungierten als Radio. Da war mir klar, ich brauch ein neues Studio“. Horak verschuldete sich, um einen Teil des Soundequipment der Schmetterlinge zu kaufen. „Was ich mir zwecks Geldmangel nicht leisten konnte, überließen mir die Schmetterlinge später kostenlos. Noch heute kommen mir die Tränen, wenn ich daran denke – da haben sich zwei Hände nicht nur gewaschen, sondern auch mächtig eingeschäumt.“ Er fand ein neues Studio im Keller eines Hauses in der Zollergasse. 1985 zog er ein und produzierte als erstes das letzte Album der Schmetterling: „Mit dem Kopf durch die Wende“ (1986).

Der größte Spritzer Wiens und der Tod des Herrn Felix:

Karl Horak, Leo Bei, Bass, Ostbahn-Kurti, EAV
Marliese Mendel

Gleich gegenüber betrieb der Herr Felix das Café Neubau. Es war eine Version des „Espresso Rosi“ im schon damals hippen siebten Gemeindebezirk. „Während wir die Nacht durchgearbeitet haben, hat Herr Felix seinem Hinterzimmer Karten gespielt und getroffen haben wir uns am frühen Morgen, als die Müllfahrer eine Suppe ohne Einlage (also ein viertel Weiß) bei ihm bestellten. Orderte man hingegen einen großen Spritzer, nahm er einen halbleeren Doppler und füllte ihn mit Mineralwasser auf - was anscheinend mitunter zu temporärer Amnesie der Beteiligten führte: „Als wir 1989 die Platte Liagn und Lochn aufnahmen, waren wir zum Einstimmen viel beim Felix“, erzählt Horak, „eines Abends erinnerte ich mich, dass wir die Platte in der nächsten Woche abgeben sollten und sagte zum Willi, wir müssen noch den Gesang einspielen. Wir gingen ins Studio und arbeiteten eine Weile, bis uns einfiel, dass wir genau das Gleiche in der Nacht davor gemacht hatten und bis auf eine Nummer schon alles fertig war.“

Zum Dank verewigte die Band Herrn Felix auf dem Cover von „A Schene Leich“ (1988). Der Plattentitel scheint für Herrn Felix aber ein böses Omen gewesen zu sein; er erhängte sich eines Tages im Lokal. „Ich saß zur gleichen Zeit auf der anderen Seite der Wand im benachbarten Café Europa. Sein Selbstmord hat mich schwer getroffen“, erzählt Horak.

Liebeslieder, Rock-Professuren und UFO-Sichtungen:

Viele gute Lieder finden sich auf dem Boden von leeren Flaschen: Horak und Brödl teilten sich nach einem Konzert ein Fremdenzimmer irgendwo in der Steiermark; Militärbetten, ein Waschbecken als Notklo, Sliwowitz und reichlich Bier. Man spricht über die große Liebe. „Günter hat seine erste große Liebe geheiratet, bei mir hat es etwas gedauert bis ich die wirkliche große Liebe gefunden habe“, sagt Horak. Aus dem Gespräch entstand eineinhalb Jahre später ein Song.

Brödl war für Horak ein Genie: „Er hat zwar oft den Eindruck gemacht, nicht von dieser Welt zu sein, aber er zog Geschichten magisch an. Nach zehn Minuten erzählten ihm wildfremde Menschen ihre Geheimnisse. Gleichzeitig trieb ihn eine große Sehnsucht nach guter Kunst voran. Er wollte Wahrhaftiges schreiben.“ Brödl hatte die Angewohnheit, während der Fahrten Indianerbücher und Publikationen über Serienmörder zu lesen. Manchmal kamen die Abenteuer aber auch zu ihnen, zum Beispiel als orangenes UFO, das sie über Meidling gesehen hätten. Sie drehten sogar um und fuhren zurück, aber sie fanden das UFO nicht mehr.

Insgesamt also gute Zeiten: „Ich hatte drei Jugendzeiten, die unspektakuläre erste und dann die mit der Chefpartie, die zählt doppelt“, meint Horak. Ein Jahr nach seinem Ausstieg 1995 stieg er bei der EAV ein, wo er bis 2013 spielte. Auch nach dem Aus hat er keine Langeweile: „Ich müsste 130 Jahre alt werden, um alles zu schaffen, was ich noch tun will,“ sagt er. Jetzt produziert er die Band seines Sohnes, die Groovebumps, die Beislrocker, Wiener Wahnsinn, Nadia und Manuel und seine eigenen Platten. „Ich arbeite viel im Studio und spiele wieder in Wiener Clubs. Außerdem wollte ich nicht mehr soviel herumfahren“, sagt er.

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