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Alexandra Gruber
Nachhaltigkeit

Die Kartoffeldealer

Donnerstag, 30. Januar 2014
Die Wiener Studentin Franziska Gantner unterstützt regionale Bauern und setzt sich für den Verkauf von saisonalen landwirtschaftlichen Produkten ein. Ihre Facebook-Seite „Kartoffeldealer“ hat schon über tausend Mitglieder.
Franziska Gantner; Patrick Chalupa
Alexandra Gruber
Kartoffeldealer Patrick Chalupa, Franziska Gantner

Franziska Gantner dealt mit gesunder Ware. Die Physikstudentin verkauft Kartoffeln und Obst von Waldviertler Bauern: „Wir unterstützen die Bauern, damit sie einen fairen Preis für ihre Waren erhalten. Für ein Kilo Kartoffeln bekommt ein Bauer von den Handelsketten im Moment 40 Cent. Letztes Jahr war die Ernte schlecht. Wenn ein gutes Kartoffeljahr war, bekommt er zum Beispiel nur 20 Cent für ein Kilo.“

Im April 2012 blieben die Bauern auf ihren Kartoffeln sitzen, weil die Ernte ziemlich üppig ausgefallen war. Ein befreundeter Bauer klagte Gantners Eltern sein Leid. „Meine Mutter und mein Vater fragten mich und meine Geschwister, ob wir in Wien nicht ein paar Freunde hätten, die gerne Bio-Kartoffeln kaufen möchten“, erzählt die Studentin.„Ich gründete die Facebook-Gruppe Kartoffeldealer und hatte über Nacht hundert Mitglieder.“ Am Anfang brachten Gantner und ihre Geschwister die Kartoffeln im Auto nach Wien und verkauften sie in ihrer Privatwohnung. Als die Fangemeinde auf Facebook aber schließlich auf tausend Leute angewachsen war, wurde die Organisation des „Kartoffeldeals“ immer komplizierter, und die jungen Leuten mussten mit ihrem Projekt ein halbes Jahr pausieren.

Eine Tonne wird nach Wien geliefert

Kartoffel, Erdäpfel
Alexandra Gruber
Warenlager im Casa Caria

„Letzten Sommer wurden wir schließlich Mitglied im Verein Menschen helfen Menschen. Seitdem verkauften wir bereits zweimal im Casa Caria.“ Der Olivenölhändler in Wien-Neubau stellt den Studenten nun sein Lager gratis zur Verfügung. Dort kann man die bestellte Ware an zuvor angekündigten Terminen abholen. Zwei Wochen vor einer Lieferung wird ein Newsletter mit Informationen an die potentiellen Kunden ausgeschickt. Auf der Facebook-Seite kann dann über einen gewissen Zeitraum bestellt werden. Die Aktion findet alle ein bis eineinhalb Monate statt. Insgesamt eine Tonne wird in den Siebten Bezirk geliefert, etwa die Hälfte davon sind Kartoffeln, der Rest Obst und Gemüse. Diesmal gibt es Äpfel und Birnen, je nach Saison auch Kürbisse oder rote Rüben. Die meisten Leute holen die vorbestellte Ware zuverlässig ab, doch auf ein paar Säcken bleiben die Kartoffeldealer immer wieder sitzen, „Das ist mühsam, ich muss mich dann darum kümmern, andere Abnehmer zu finden,“ sagt Gantner.

„Das ist ein fairer Preis für Bauern“

Factbox

Die Bestellung wird beim Olivenölhändler Casa Caria abgeholt:
Kandlgasse 23, 1070 Wien

„Fünf Kilo Kartoffeln kosten 5,80 €, das ist ein fairer Preis für den Bauern. Wir selbst arbeiten ohne Gewinn, wir ziehen den Bauern nur das Geld für den Aufwand ab.“ Im Moment liefern zwei Bauern, Gantner möchte aber noch mehr Landwirte ins Boot holen
„Wir würden gerne auch Fleisch, Eier und Milchprodukte verkaufen,“ erzählt sie. Wenn die Zahl der Interessenten weiter so wachse, würden sie bald einen LKW brauchen. „Wir hoffen, dass auch andere Leute die Idee aufgreifen und ähnliche Gruppen gründen, um landwirtschaftliche Produkte nicht nur im Supermarkt zu kaufen, sondern vermehrt direkt von den regionalen Bauern.“

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