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Marliese Mendel
Wiener Läden

Zwei Männer, die auf Wettex starren

Freitag, 21. Februar 2014
Wolfram Kuehmayer und Bernhard Rameder spucken in ihrem Shop mit Kirschkernen und backen Schwammtücher. dieZeitschrift hat sie in ihrem Shop rausgebrannt in Wien besucht.
Wettex, Uhren, Rausgebrannt, Wien, Laser
Marliese Mendel

Am Anfang stand ein gewöhnlicher Haushaltsunfall: jemand schüttete Kaffee aus. Da kein Putzfetzen zur Hand war, verwendete man Bernhard Rameders Visitenkarte, um den Fleck aufzuwischen. Es war keine normale Visitenkarte: sie bestand aus Wettex und war daher bestens für diesen Job geeignet.

Rameder und sein Geschäftspartner Kuehmayer haben sich nämlich darauf spezialisiert, per Laser die unwahrscheinlichsten Materialien zu bearbeiten: Lasagneblätter werden so zu Hochzeitseinladungen, Palmenblätter werden zu Werbeträgern und Putztücher eben als Visitenkarten zweckentfremdet.

Wettex-Tücher eignen sich aber noch zu viel mehr: die an sich banalen Haushaltsartikel dienen Eingefroren als Eisbeutel zur Kühlung von Verletzungen, im Notfall auch zum Abschminken und als Nährboden für Samen. Und neuerdings auch als Uhrenblätter. Nach den Visitenkarten entstand die Idee, das Material auch zu anderen Alltagsgegenständen zu verarbeiten: es gab noch keine coolen Wanduhren mit Raumpflegeappeal.

Leere Supermärkte

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Marliese Mendel

Das Problem: die Beschaffenheit des Materials. Die Schwammtücher wurden eindeutig nicht erfunden, um in einem Zustand zu verharren; sie sollen sich verformen – zumal unter Feuchtigkeitszufuhr. Ziffernblätter hingegen haben die Eigenschaft, starr zu sein. Dalì-Uhren sind zwar schick, würden aber kaum funktionieren.

Doch Rameder und Kuehmayer wären nicht die Laserkings von Wien, wenn sie sich nicht mit wissenschaftlicher Akribie an die Lösung dieses Problems gemacht hätten: ein ganzes Jahr lang wurde geforscht, getestet, verworfen, geflucht – dem Forscherdrang der beiden fielen hunderte der Putzlappen zum Opfer; Supermärkte wurden leergekauft, keine Schwammtuchmarke war vor ihren Versuchen sicher.

Damit sie per Laser bearbeitet werden können, müssen die Tücher getrocknet und vollkommen geglättet werden.

Phase 1: der Heizkörper. Gut zum Trocknen, wenig Aufwand. Das Ergebnis: nicht brauchbar, weil sich die Tücher während des Trockenvorgangs aufwellen.

Phase 2: Heizkörper unter Zuhilfename einer Einspannvorrichtung. Das Ergebnis: trockene, glatte Tücher. Das Problem: die selbst gebaute Einspannvorrichtung hinterließ unschöne Abdrücke auf dem Material.

Phase 3: Sonnentrocknung unter Zuhilfenahme eines Auto-Armaturenbrettes. Ergebnis: siehe Phase 1.

Phase 4: Die Mikrowelle. Vielleicht verhinderte rapider Feuchtigkeitsentzug das Aufrollen. Das Ergebnis war ebenfalls ernüchternd. Die widerspenstigen Wettex rollten sich ein und verbogen sich.

Phase 5: Zwischenerfolg durch eine verbesserte Rahmenversion in Verbindung mit einem Backrohr. Das Ergebnis war ein betonharter, brettlebener Wettex, bereit zur Montage. Ein Prototyp wurde gebaut. Problem: die Tücher haben die Eigenheit, in trockenem Zustand Luftfeuchtigkeit aufzunehmen und sich wieder ihrem ehemaligen Zustand anzunähern. Nach einiger Zeit begann sich das Uhrblatt wieder zu verbiegen und die Zeiger blieben stecken. Die Wettex-Expermentierer gaben aber nicht auf. Sie bestrichen die Tücher mit Stärke, Lack und Holzleim – nichts davon funktionierte.

Erfolg!

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Marliese Mendel

Letztlich fand sich natürlich eine einfache, elegante Lösung; diese bleibt jedoch Betriebsgeheimnis. Seit November 2013 gibt es die Wettexuhren, eingeschweißt in Gefrierbeutel, bei Decoo, Etagere und bei rausgebrannt für 24,90 Euro zu kaufen. Eines der nächsten Projekte ist eine Schwammuhr; doch diese befindet sich noch im Experimentalstadium. Schließlich haben die Beiden auch noch anderes zu tun: ihr Geschäft läuft gut, zu ihren Kunden gehören Tageszeitungen, Energy-Drink-Hersteller und Banken. Außerdem nehmen sie sich in ihrem Shop im 6. Bezirk gerne Zeit für die oftmals außergewöhnlichen Wünsche der Privatkunden. Wer Sprüche auf Palmenblättern, Werbung auf High Heels oder ausgefallene Hochzeitseinladungen braucht, ist bei ihnen sicher richtig.

Kirschkernweitspucken

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Marliese Mendel

Die Akribie, die die beiden an den Tag legen, zeigt sich in einem ganz speziellen Werbegeschenk, das sie voriges Jahr für ihre Kunden produzierten: in tagelanger Kleinarbeit stellten sie Wettbewerbssets zum Kirschkernweitspucken zusammen: 5500 Kirschkerne wurden nach Gewicht sortiert; jeder einzelne Kirschkern bekam sein Wettkampfgewicht eingelasert, um in diesem Sport endlich genormte Wettkampfbedingungen zu ermöglichen. In jeder Kirschkernspuck-Grundausstattung sind sechs Kerne enthalten.

Factbox

Rausgebrannt.at
Wettexuhren: 24,90 Euro bei rausgebrannt in der Brauergasse 1, 1060 Wien und bei Decoo in der Stiftgasse 13, 1060 Wien
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9.00 bis 18.00 Uhr

Der Weltrekord beim Spucken auf Asphalt liegt übrigens bei mehr als 30 Metern. Beim redaktionsinternen Spuckwettbewerb flog der Kern aber nur auf enttäuschende sieben Meter. Wir üben weiter. (Sobald wir alle Kerne wieder gefunden haben)