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Marliese Mendel
Nachhaltigkeit

Surfing Vienna

Mittwoch, 15. Januar 2014
Melanie Ruff und Mone Melda sind Pionierinnen des Longboardbaus: Seit 2013 upcyclen sie alte Snowboards zu Longboards und geben ihnen richtig wienerische Namen wie Fiaker, fesche Sopherl und Pummerin. Mit dieZeitschrift sprachen sie über nachhaltige Produktion, recyclte Kellersnowboards und warum die Wiener Gewerbeordnung ihretwegen geändert wurde.

Hawaiianische Surfer schraubten in den späten 50er Jahren metallene Rollschuhräder auf kleinere Versionen ihrer Surfbretter. An Tagen ohne Wellen surften sie mit diesen Urversionen der Longboards die Gehsteige entlang. 1959 kamen die ersten Longboards in die Läden. Zwanzig Jahre später montierte eine Firma statt der Metallräder Kunststoffrollen auf die Boards und löste einen gewaltigen Boom aus. Es gab erste Wettbewerbe. Im Gegensatz zu Skateboardern rasen die Longboarder auf asphaltierten Straßen mit bis zu 100 km/h ins Tal, es gibt auch Slalomwettbewerbe und „Longboard-Dancing“, wo auf den Boards während des Fahrens getanzt wird.

„Brettln“

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Marliese Mendel

Die beiden Österreicherinnen Mel Ruff und Mone Melda durchkreuzen seit fünf Jahren die Stadt auf Longboards. Vor einem Jahr bauten sie ihre ersten eigenen „Brettln“ aus alten Snowboards, einige Monate später gründeten sie Ruffboards und produzieren seither Longboards.

Vor allem bei Frauen und Mädchen findet der Sport auf dem großen Brett Anklang: „Die coolen Skateboarder hängen meist in Parks rum und führen ihre Tricks vor. Da gibt es eine gewaltige Hemmschwelle für alle Neuanfänger und speziell für Frauen“, sagt Ruff, „Longboards haben breitere Achsen und Rollen und sind deshalb viel stabiler als Skateboards. Mit etwas Balancegefühl kann man den Sport in zwei Nachmittagen erlernen. Vor allem das Bremsen sollte man aber wirklich üben!“

Liebgewonnene Sticker

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Marliese Mendel

Die ersten Designideen hatten sie auf einer USA-Reise. „Wir zeichneten die ersten Longboardshapes in unser Tagebuch“, erzählt Ruff. Im Jänner 2013 schnitten sie aus einem alten Snowboard das erste Longboard, aber es war nicht stabil genug. Die gelernte Zahntechnikerin Melda und die HTL-Bauingenieurin Ruff tüftelten an der richtigen Statik, den besten Kunstharzen und an der Optimierung der Fertigungsschritte. Es dauerte einige Monate, bis die Beiden mit Design und Fahrverhalten der Bretter zufrieden waren. Inzwischen haben sie die Produktion perfektioniert: Snowboarder können ihre alten Brettln abliefern und zwei Wochen später ein Longboard abholen, inklusive der liebgewonnenen Sticker, mit denen sie ihr Snowboard über die Jahre beklebt haben.

Langzeit-Häftlinge

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Marliese Mendel

Wer keine Freunde mit Snowboards im Keller hat, kann sich ab 250 Euro ein fertiges Brettl kaufen. „Wir bekommen Snowboards aus Versicherungsfällen und beginnen gerade unsere Zusammenarbeit mit der Firma TerraCycle“, sagt Ruff. Das Unternehmen sammelt schwer recyclebare Verpackungen und Ausschussprodukte und gibt sie an Upcycler weiter. „Uns ist es wichtig, umweltfreundlich und sozial verträglich zu produzieren“, betont Ruff. Momentan produzieren die Frauen noch in einer Halle in Korneuburg, aber bald werden im Rahmen eines Projektes Langzeit-Häftlinge in Wiener Neustadt Boards mit Namen wie Fiaker, Pummerin und die fesche Sopherl shapen. Es ist auch angedacht, einzelne Häftlinge nach ihrer Entlassung weiter zu beschäftigen. Aus den Resten der Snowboards werden Aufhänger für die Longboards oder Gürtelschnallen gefertigt.

Wagnerinnen

Factbox

Ruffboards online bestellen.

Ab Februar kann man sich in der Siebdruckeria am Yppenplatz Boards von Ruffboards ausborgen und kaufen. Auf Anfrage werden auch Anfängerkurse abgehalten.

Verschleißteile wie Rollen, Achsen und Lager sind in den üblichen Skatershops erhältlich: zum Beispiel in der Skatebox in der Mariahilferstraße.

Wesentlich komplizierter, als ein Board zu bauen, war es, die Firma zu gründen. „Ich wurde bei der WKO sehr freundlich von einer Nebenstelle zur nächsten verbunden. Aber niemand schien für uns zuständig zu sein. Ich wollte ein freies Gewerbe anmelden“, erzählt Ruff, „aber man riet mir, zu prüfen, ob ich nicht zum Gewerbe der Tischler gehöre.“ Die Rechtsabteilung prüfte fünf Wochen lang, ob Ruff die Tischler-Meisterprüfung nachmachen muss - um Longboards zu bauen. Schließlich erhielt sie die Nachricht, dass sie nun zum freien Gewerbe der Wagner mit der Berechtigung, Skier und Skateboards herzustellen, gehöre. Die beiden Frauen sind die allerersten, die diesen Titel tragen dürfen; aufgrund ihrer Anfrage dürfen in Österreich nun im freien Gewerbe Skier und Skateboards hergestellt werden. Die gesamte Gründungsprozedur dauerte drei Monate – fast so lang wie die Entwicklung ihres ersten Longboards.