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Alexandra Gruber
Cannabis

„Wir hatten das beste Gras von Wien“

Monday, 6. January 2014
Marihuana im US-Bundesstaat Colorado mittlerweile ein legales Rauschmittel. In Österreich ist der Verkauf nach wie vor verboten. dieZeitschrift traf eine Wienerin, die in den 90-er Jahren Marihuana in ihrer Gemeindewohnung anpflanzte und verkaufte. Sie erzählt, wie sie zur Dealerin wurde, warum sie ständig in Angst lebte und wie man Hanf-Plantagenbesitzer an ihrer Kopfhaut erkennt.

„Man geht immer als Schuldiger zur Tür“ sagt Bea Steiner (Name von der Redaktion geändert). Die Wienerin lebte in den Neunzigern vier Jahre lang vom Ertrag selbst gezüchteter Hanfpflanzen, die sie zusammen mit zwei Burschen in ihrer Wohnung züchtete. Sie erinnert sich an ein Leben voller Angst, an schlaflose Nächte. Die Schritte eines Unbekannten am Gang oder ein unerwartetes Klopfen an der Tür versetzen sie in Panik. Andererseits war diese Zeit für Bea Steiner auch aufregend und finanziell lukrativ.

Durch eine Notsituation sei sie zur Dealerin geworden. „Mitte der Neunziger habe ich alles verloren: meinen Job, meine Wohnung, meine Freunde. Ich hatte nur noch meinen Hund. Und Schulden in der Höhe von 60.000 Schilling. Ein Bekannter hat mir angeboten, dass ich in seine Wohnung einziehen kann. Dort lebte er mit einem Kumpel. Und einer Hanfplantage.“ Die zwei jungen Männer verkauften Marihuana, dass sie selbst in ihrer kleinen Gemeindewohnung produzierten. Zu tun gab es genug, zu verdienen auch. Also beteiligten sie ihre neue Mitbewohnerin.

„Das war ein 24-Stunden-Job“, sagt Steiner. „Bei Hanfpflanzen muss man sehr sauber arbeiten, braucht Ventilatoren und starke Lampen. Und am besten hat man mindestens zwei Räume. Einen zum Aufziehen der Stecklinge und einen Hauptraum für die größeren Pflanzen, die sechs bis acht Wochen mit mehr Licht in die Blüte geschickt werden. Nachher müssen die Pflanzen nochmal sechs bis acht Wochen trocknen. Davon kommt dieser erbärmliche Gestank.“

Wie beim Zahnarzt

Hanf
Alexandra Gruber

Der Geruch der Hanfpflanzen breitete sich in der ganzen Wohnung bis in den Flur aus. „Wir hatten nur eine Nachbarin, die war nie da. Aber manchmal läutete der Müllmann oder der Briefträger. Ich wurde paranoid, war jedes Mal nervös, wenn es an der Tür klopfte. Ich fühlte mich nie sicher.“
Der jungen Frau war sehr wohl bewusst, dass sie etwas Verbotenes tat, dass sie sogar eine Gefängnisstrafe riskierte. Sie wundert sich bis heute, dass sie nie angezeigt wurden. Steiner ließ sich damals die Haare lang wachsen und zog sich konservativer an. „Wie eine brave Studentin habe ich ausgesehen, wenn ich mit dem abgepackten Gras im Rucksack ausliefern gefahren bin.“ Die einzige äußerliche Auffälligkeit ist wohl nur Insidern aufgefallen: Ein ganzjähriger Sonnenbrand am Scheitel, offenbar das Markenzeichen von Marihuana-Züchtern. „Das kommt von den Lampen. Die simulieren Sonnenlicht und sind unheimlich stark. Jeder, der eine Hanfplantage zuhause hat, bekommt unweigerlich einen Sonnenbrand am Scheitel.“

Die drei Dealer hatten fünfzig bis sechzig Kunden, die zum Teil in der 50-Quadratmeter-Wohnung ein- und ausgegangen sind. „Es hat ausgesehen wie in einer Zahnarztpraxis. Die Leute sind mit einer Zeitschrift in der Küche gesessen und haben auf ihre Ware gewartet.“ In der Szene wäre ihr Ruf ausgezeichnet gewesen. „Wir haben nie jemanden beschissen und verkauften nur die beste Qualität. Wir hatten das beste Gras von Wien.“

Factbox

dieZeitschrift möchte auf keinen Fall die Herstellung oder den Verkauf illegaler Drogen verherrlichen. Die Geschichte soll lediglich eine in Medien eher seltene Sichtweise darstellen.

Ein genauer Strafrahmen ist schwer zu ermitteln. Laut Recherchen hätte Bea Steiner im Falle einer Verurteilung wahrscheinlich eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren riskiert.

Genauere Informationen über gesundheitliche Risiken und gesetzliche Bestimmungen:

Nach vier Jahren zog sie mit einem ihrer beiden Mitbewohner aufs Land, der zweite wanderte nach Asien aus. Das war das Ende von Steiners „Dealer-Karriere“. Seitdem verdient sie ihr Geld nur noch mit legalen Jobs. Die Geschichte ist mittlerweile verjährt, anonym will sie trotzdem bleiben. Wie hoch der Strafrahmen für ihr Delikt gewesen wäre, wollte sie nie so genau wissen. „Mir war aber völlig klar, dass ich mich da nicht raus reden hätte könne.“ Was hätte sie gemacht, wenn eines Tages die Polizei in der Wohnung gestanden wäre? „Ich hätte mich nicht gewehrt, hätte meine Strafe einfach hingenommen. Mit Ausreden ist da nix mehr, wenn die ganze Wohnung voller Marihuana ist. Wahrscheinlich hätte ich einfach gesagt: ,Okay, jetzt habt ihr mich erwischt. Und dann hätte ich mir einen Joint angeraucht.“