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Alexandra Gruber
Initiative

„Ein Unbekannter hat an mich gedacht“

Montag, 23. Dezember 2013
Lokalgäste spendieren anonym Getränke und Speisen für Bedürftige: Das Tachles in Wien-Leopoldstadt ist der österreichische Vorreiter des *Sospeso*-Prinzips.
Tachles
Alexandra Gruber
Daniel Landau

„Es wird mehr gegeben als genommen“, sagt Tachles-Besitzer Daniel Landau. Ein schöner Satz, der leider viel zu selten zutrifft. Er hat Anfang dieses Jahres als erster die Tradition des Caffè sospeso nach Österreich, genauer in die Wiener Leopoldstadt, gebracht. Dabei zahlt ein Lokalbesucher zusätzlich zu seiner Konsumation noch einen Kaffee, der vom Kellner auf einer Tafel vermerkt wird. Ein Bedürftiger kann sich diesen Kaffee abholen. Dieser Brauch kommt ursprünglich aus Neapel.

Mittlerweile hat sich diese kleine, anonyme Spende in vielen Ländern Europas etabliert. „Als ich davon gehört habe, war ich von dieser Idee begeistert. Ich habe im Internet recherchiert und gemerkt, dass es den Caffè sospeso in Österreich noch nirgends gibt“ erzählt Landau.
Auf der Sospeso-Tafel stehen außer Kaffee noch Tee, Cola und kleine Speisen zur Auswahl. Alkoholische Getränke sucht man vergebens. „Das würde für mich nicht passen.“

Ein kleines bisschen Luxus für sozial Bedürftige

Tachles
Alexandra Gruber
Sospeso-Tafel vor dem Tachles

Im Moment ist das Angebot größer als die Nachfrage. „Ich würde gerne ab nächstem Jahr Sospeso-Lokale außen mit einer Plakette kennzeichnen, damit sich mehr Leuten einen Gratis-Kaffee abholen.“ Bedürftige Menschen seien schwieriger via Medien zu erreichen, weil sie sich oft weder ein Zeitungsabo noch einen Computer leisten könnten. „Außerdem beschämt es viele Menschen, etwas anzunehmen.“

Der engagierte Lokalbesitzer betont, dass sich das Angebot nicht ausschließlich an Obdachlose und Sozialhilfeempfänger richtet. „Wir geben die Sospeso-Spenden auch an jemanden, der einmal einen schlechten Tag oder einen finanziellen Engpass hat. Zum Beispiel Studenten oder Alleinerzieherinnen. Wir hatten schon Mütter zu Gast, die waren jahrelang nicht mehr in einem Kaffeehaus. Das bedeutet für sie Luxus.“

Sospeso-Haarschnitt

Factbox

Tachles
Kameliterplatz 1
1020 Wien

Baristarie
Linzerstrasse 403/2B,
1140 Wien

Emmi
Linzer Straße 1
3100 St. Pölten

Ein paar Nachahmer gibt es inzwischen schon, zum Beispiel das Cafe Emmi in St. Pölten oder die Baristarie in Wien-Hütteldorf. In der ORF-Sendung Konkret berichten die Mitarbeiter dieser Lokale von den gleichen Anfangs-Schwierigkeiten wie im Tachles: Sospeso-Spender wären einfacher zu finden als Konsumenten.

Landau wünscht sich, dass sich das Sospeso-Prinzip auf mehr Lokale und am besten auch auf andere Branchen ausweitet. Konkret denkt er dabei an einen Sospeso-Haarschnitt. „Diese zehn bis fünfzehn Euro für einen Friseurbesuch sind für manche nicht oder nur schwer leistbar. Ich habe mir fest vorgenommen, im Frühjahr die Friseur-Innung anzuschreiben, um sie mit diesem Gedanken zu infizieren.“

Dass sich jemand einen Gratis-Kaffee bestellt, obwohl er ihn sich leisten könnte, sei Landau noch nicht untergekommen. „Das funktioniert sehr gut. Mir geht es um das soziale Wohlfühlen. Jemand, den ich nicht kenne, hat an mich gedacht.“

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