Error message

  • Deprecated function: Methods with the same name as their class will not be constructors in a future version of PHP; Markdown_Parser has a deprecated constructor in require_once() (line 341 of /www/htdocs/w0115499/!seiten/diezeitschrift.at/includes/module.inc).
  • Deprecated function: Methods with the same name as their class will not be constructors in a future version of PHP; MarkdownExtra_Parser has a deprecated constructor in require_once() (line 341 of /www/htdocs/w0115499/!seiten/diezeitschrift.at/includes/module.inc).
Georg Clementi
Georg Clementi, by Leo Fellinger
Zeitlieder

Die Zeit und ihre Lieder

Tuesday, 31. October 2017
Südtirol, irgendwann in den 80ern. Die Jugendszene ist überschaubar - ein paar Metalbands, ein bisschen Blues, eineinhalb Handvoll Liedermacher. Mad Puppet singen "Nix los", Pepi bringt mit seinem "Haschpeitl" die konservative Grundstimmung auf den Punkt, die "Skanners" beeindrucken als Vorband immerhin Deep Purple. Und ein junger Bozner singt die offizielle Frühlingshymne.

Erst gegen Ende der 80er gab es eine bestimmte Konsolidierung der Musiklandschaft. Walter Eschgfäller und Willy Vontavon gründeten den Verein "Liederszene Südtirol" und gaben Protagonist_innen verschiedener Stilrichtungen erstmals die Chance Platten einzuspielen und auf größere Konzerttourneen zu gehen.

Gute-Laune-Lied

Dass mir Georg Clementi ein Begriff war, lag weniger an meinen musikalischen Interessen - wir gehörten damals eher zur "härteren" Fraktion. Aber man sog halt alles auf, was nicht Volksmusik war, und Clementi, der "singende Poet", war gegen Ende der 80er einer der zentralen Musikanten der "Liederszene" - und stand damals immerhin mit Reinhard Fendrich auf der Bühne. Sein "Frühling in der Stadt" war unser Gute-Laune-Lied, damals, Ende der 80er.

Die Chefin sagt ....

Letzte Woche, Rezensionsauftrag von der Chefin. Als mir aus einem Paket die CD "Zeitlieder 3" entgegenkugelt, braucht es ein Weilchen, bis ich den sympathisch dreinschauenden Glatzigen vom Cover mit dem langlockigen Liedermacher aus meiner Jugend in eins bringe. Den Namen kenne ich doch. Pause. Das ist doch - Den gibt's noch? Ich lese nach, was seitdem geschah: Musical- und Kabarettproduktionen, Schauspielstudium, Salzburger Landestheater, Talksendung im Salzburger ORF-Radio. Plötzlich geht mir auf, wieviel Zeit seitdem vergangen ist - und wieviel sich verändert hat. Die Underdogs von damals sitzen längst an kulturellen Schaltstellen - an Theatern, in den Medien, im Kulturmanagement.

A3

Egal, CD rein. Schon beim ersten Lied (Auf der A3) vereint sich das Glatzengesicht mit dem Lockenjüngling: ja, das klingt vertraut. Auch, wenn die Themen - no na ned - aktuelle sind: Flüchtlingsdramen (Auf der A3, Flügellos), Gesellschaftskritik (Der Erbe, Fairtrade Kaffe, Loblied auf die Farbe Grau), aber auch - wie ehedem - unkonventionelle Liebeserklärungen (Keine isst wie Du, Lied einer alten Frau und - etwas kontrovers - Küsse die Hand).

Lazerus und der Herrgott

Die Themen der Lieder geben auch den CD-Titel vor: sämtliche Texte sind von Fundstücken aus der Wochenzeitung "Die Zeit" inspiriert. So geht es um syrische Familien auf deutschen Autobahnen, um die Selbsterkenntnis Privilegierter, die Kritik am Schwarzweißdenken und um die Sehnsucht nach einer Zeit, wo ökologische Lebensführung noch genügte, um sich auf der richtigen Seite zu wähnen. Und um einen Lazarus, der dem Herrgott vorwirft, er habe ihn nur aus Eigeninteresse ("dass der letzte Zweifler auch noch glaubt an dich") auferweckt.