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Blindensport.at
Sport

„Da kriege ich jetzt noch eine Gänsehaut“

Freitag, 17. Januar 2014
Skifahren für Blinde wurde im Österreich der Nachkriegszeit entwickelt. Doch wie gelingt es Menschen ohne Augenlicht, eine Sportart auszuüben, bei der sich viele Sehende oft schwer verletzen? Begleitskilehrer Karl Mayr ist eine treibende Kraft des heimischen Behindertensports und erzählt, wie Blinde trotz ihrer Behinderung Skifahren lernen können.
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„Wenn sich ein blindes Kind den Haxn ausgfreit, kann das nichts toppen“, sagt Karl Mayr. Der Oberösterreicher bringt Blinden und stark Sehbehinderten schon seit 16 Jahren das Skifahrern bei, und er liebt seine ehrenamtliche Aufgabe noch immer über alles. „Ich habe einen Zehnjährigen unterrichtet, der Skifahren nur aus Erzählungen kannte. Er hatte diesen Sport zuvor noch nie gespürt oder gesehen. Als er nach ein, zwei Wochen den Berg runter bretteln konnte, hat der Bub sich total gefreut. Das war so berührend, da bekomme ich heute noch eine Gänsehaut.“
Mayr arbeitet hauptberuflich auf der Universität Wien, und in seiner Freizeit setzt sich der vierfache Familienvater für den Behindertensport ein. Er ist Vorstand beim Österreichischen Behindertensportverband (ÖBSV) und leitet seit 17 Jahren den Blinden- und Sehbehindertenbereich. Skifahren mit Blinden ist eine österreichische „Erfindung“ aus der Nachkriegszeit. Kriegsversehrten sollte die Ausübung von Sport weiter ermöglicht werden. Mittlerweile hat sich Blindenskifahren in fast alle Ländern mit Wintersportmöglichkeiten verbreitet. Doch wie gelingt es Menschen ohne Augenlicht, eine Sportart auszuüben, bei der sich genügend Sehende immer wieder schwer verletzten?

Kommunikation per Funk und Megafon

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Alexandra Gruber
Karl Mayr

„Jeder Teilnehmer hat einen eigenen Skilehrer, einen sogenannten Begleitlehrer“, erklärt Mayr. „Der Begleiter hat ein Megafon am Rücken befestigt, fährt immer ein paar Meter vor dem Blinden und gibt ihm akustische Signale.“ Bei Sehbehinderten sei es ein bisschen einfacher, die kommunizieren mit dem Lehrer über Funk, der im Helm getragen wird.
Das bedeutet, dass der Begleitfahrer oder auch Behindertensportkonstruktor immer der bessere Skifahrer des Gespanns sein sollte. Meistens ist das kein Problem. „Obwohl, ein- oder zwei Begleitläufer stießen an ihr Limit. Es gibt stark Sehbehinderte, die fetzen mit bis zu 100 Stundenkilometer den Berg runter. Und sein Vordermann muss ihm die Sprünge und Wellen ansagen. Da muss man schon auf Zack sein,“ sagt Mayr. „Aber im Leistungssport hat es schon immer Narren gegeben. Ich meine das positiv, ich bin ja selber einer.“ Vor allem bei Geburtsblinden müsse man beim Training viel mit Berührung arbeiten. „Ist jemand später erblindet, kann er sich Bewegungen noch aus dem Gedächtnis vorstellen. Das macht es einfacher.“
Die Ausbildung zum Behindertenkonstruktor dauert fünf Wochen und wird von der Bundes-Sportakademie angeboten. „Man muss allerdings eine Aufnahmeprüfung machen und schon ein exzellenter Skifahrer sein.“ Zur Zeit gebe es genug Ehrenamtliche. Bezahlt wird ihnen nichts, nur die Spesen wie Quartier und Liftkarte werden ihnen ersetzt. „Ungefähr 60 Prozent des Geld kommt vom Staat, der Rest von Sponsoren,“ erklärt der Fünfzigjährige.

„Plaketen, Orden, so ein Schaß“

„Vor so acht, zehn Jahren, da war es bitter, da hatten wir zu wenig Begleitlehrer. Durch harte Arbeit konnten wir einen Pool von Menschen schaffen, die diese Aufgabe gerne übernehmen.“ Würden sich noch mehr melden, wäre ihm das sehr recht, damit es nicht wieder zu einem Engpass komme. Am liebsten ist Mayr, wenn der Sehbehinderte und der Lehrer möglichst lange als fixes Paar fahren. Die Harmonie zwischen den beiden sei so wichtig wie bei Tanzpartnern.
Mayr selbst lehrt und ermöglicht Blinden und Sehbehinderten auch andere Sportarten wie Leichtathletik, Rad fahren oder Fußball. Für seine Tätigkeit wurde er bereits für um die zwanzig Ehrungen und Auszeichnungen vorgeschlagen. Die meisten hat er abgelehnt. „Plaketen, Orden, so ein Schaß“, sagt der 1,90 Meter große Hüne. „In Österreich ist man immer sofort ein Held, wenn man sich engagiert. Da kriegt man immer gleich was umgehängt.“ Zum Wohl seiner Klientel kann Mayr nicht ganz auf Öffentlichkeitsarbeit verzichten, deshalb ließ er zwei Ehrungen über sich ergehen. „Ich wollte eh nicht, aber meine Frau hat gesagt, es sei gut für meine Arbeit, wenn ich hingehe.“

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