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Alexandra Gruber
Initiative

„Bitte mit uns Deutsch sprechen“

Monday, 31. March 2014
Im Kontaktepool Sprachencafé in Wien Margareten kann man jeden Mittwoch Sprachen lernen, neue Menschen treffen oder die eigenen Sprachkenntnisse weitergeben. Die Teilnahme ist gratis, und jeder ist willkommen.
Sprachcafe
Alexandra Gruber
Gemütliche Atmosphäre

„Ich komme mit“ schreibt Tjark auf einen Zettel und hält ihn mir unter die Nase. „Wieviel solch Trennverb es gibt?“ fragt er. Ich schüttle nur den Kopf. „Ich weiß es nicht, aber es sind sehr, sehr viele.“ Jetzt habe ich ein paar arabischsprachige Männer ziemlich unglücklich gemacht. „Warum trenn ihr in Deutsch so viel Verb?“, fragt Haias. „Ist so schwer.“

Im Kontaktepool Sprachencafé im fünften Bezirk in Wien füllt jeden Mittwoch Abend ein Sprachengewirr aus allen möglichen Herren Ländern die Räume. An rund 15 Tischen sitzen jeweils zwischen zwei und zehn Menschen verschiedenster Herkunft und unterhalten sich in der Tischsprache. Norsk, Italiano, oder Español steht zur Orientierung auf den Karten vor ihnen. Jede Gruppe hat einen Moderator, meistens ein Nativespeaker der jeweiligen Sprache. Also, fast jede Gruppe. An ein paar Tischen warten mehrere Migranten vergeblich auf einen deutschen Muttersprachler.

„Wollen ihre Schüler besser verstehen “

Sprachcafe
Alexandra Gruber
Barbara Niklas

„Die Nachfrage für Deutsch ist sehr groß, da wir viel mit Migranten arbeiten. Wir haben aber oft zu wenig oder Deutschsprachige, die ehrenamtlich eine Moderation in ihrer Muttersprache anbieten wollen. Dabei kann diese Tischbetreuung jeder machen, man muss kein Lehrer sein. Normale Konversation reicht völlig aus“ erklärt Projektorganisatorin Barbara Niklas. Bei der wöchentlichen Veranstaltung, die vom Verein Station Wien organisiert wird, ist der Eintritt gratis, zusätzlich wird noch eine kostenlose Kinderbetreuung angeboten. „Unser Publikum ist bunt durchmischt. Jedes Alter, jede Herkunft, jeder Bildungshintergrund ist vertreten,“ sagt Niklas. Ein Sprachentisch wäre schon ab einem oder einer Lernwilligen möglich. „Alle, die wollen, können einen Sprachentisch eröffnen. Sie sollten sich nur vorher aus Organisationsgründen mit mir in Kontakt setzen.“

Die junge Türkin Nesli kommt seit einem Jahr regelmäßig ins Sprachencafé. „Ich treffe mich hier immer mit fünf bis acht Frauen, die meisten von ihnen sind Deutschlehrerinnen. Weil sie ihre Schüler besser verstehen wollen, lernen sie Türkisch.“ Nesli ist mit ihrer Gruppe auch schon in einem türkischen Restaurant gewesen. „Die Frauen konnten schon alles auf türkisch bestellen,“ freut sich Nesli. „Jeder, der hier herein kommt, macht ein fröhliches Gesicht. Es ist eine tolle Atmosphäre,“ schwärmt sie.

„Wie in Straßenbahn“

Factbox

Vereinslokal Station Wien
Station Wien
Einsiedlerplatz 5 (Eingang Gießaufgasse)

1050 Wien

Das Sprachencafé ist jeden Mittwoch von 17.00 bis 19.00 geöffnet, ausgenommen Ferienzeiten.
Bis 19:00 Uhr wird zusätzlich kostenlose Kinderbetreuung angeboten.

Die angebotenen Sprachen werden jede Woche im Internet oder auf Facebook angekündigt.
Wer selber einen Sprachentisch moderieren möchte, sollte das vorher per Mail bei der Projektorganisation ankündigen. Deutsch-Moderatoren sind derzeit besonders gefragt.

Die Spanisch-Moderatorin hat heute kurzfristig abgesagt. Hannes, der erst seit drei Monaten Spanisch lernt, die Serbin Jelena, die schon sehr gut spricht und der junge Bolivianer Juan Carlos sitzen trotzdem an dem Tisch mit der Español-Karte und warten. „Ich bin eigentlich hier, um mein Deutsch zu verbessern,“ sagt Juan Carlos. Er hat aber noch keinen freien Platz an einem Tisch mit deutscher Sprache gefunden. „Dann rede ich mit euch in der Zwischenzeit ein bisschen Spanisch.“ Er erzählt von seinem Onkel, der in Bolivien eine Nonne geheiratet hat. „Das ist eigentlich verboten, Nonnen dürfen nicht heiraten,“ sagt er lachend. Sein Onkel sei dann samt seiner Klosterfrau nach Österreich ausgewandert.

Die Veranstaltung ist gut besucht, alle Tische sind besetzt. Im hintersten der drei Räume fallen mir vier arabisch aussehende Männer auf, die etwas verloren wirken.. „Bitte mit uns Deutsch sprechen,“ sagt einer zu mir. „Warum eigentlich nicht?“ denke ich und setze mich. Haias weiß, wie viel Einwohner die Wiener Bezirke haben und zählt die österreichischen Bundesländer auf. Das hat er im Staatsbürgerkurs gelernt. „Wie heißt das ganz klein in Westen? Ich immer vergesse das,“ sagt er. Ich schreibe „Vorarlberg“ auf einen Zettel. „Ah, wie Berg,“ sagt er und zeichnet mit der Hand eine Erhebung nach. Er wolle unbedingt gut Deutsch lernen, aber es sei so schwer, mit Österreichern ins Gespräch zu kommen. „In der Straßenbahn reden Leute anders als in Deutschkurs, da versteh ich nix,“ erzählt er. „Die Norddeutschen verstehen uns auch nicht,“ tröste ich ihn und gebe ihm kurz eine Kostprobe meines oberösterreichischen Dialekts. „Wie in Straßenbahn,“ sagt er.

Lernen mit „Friends“

Der junge Hasim ist seit drei Monaten hier, kann sich dafür aber schon sehr gut verständigen. Er lerne mit Hilfe von Internetplattformen und schaut sich in einer Endlosschleife alle Folgen seiner Lieblingsserie Friends auf Deutsch an. Am liebsten mag er die Serienfigur Joey, „weil der so gut mit Frauen sprechen kann.“ Der achtzehnjährige Farid kann erst ein paar Worte. Er schafft es aber, zu erklären, dass er gerne Automechaniker werden will. Er ist ohne seine Familie in Österreich. Alle am Tisch möchten in Österreich bleiben und hier Arbeit finden. „Aber zuerst muss ich Deutsch sprechen,“ sagt Haias. Die anderen nicken.Der junge Hasim ist seit drei Monaten hier, kann sich dafür aber schon sehr gut verständigen.